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Geschichte der Musikdose

Ohne zu übertreiben darf man sagen, dass die Musikdosen das am meisten verbreitete mechanische Musikinstrument war und bis heute ist. Sowohl quer durch alle sozialen Schichten als auch über die ganze Erde verbreitet finden sich Musikdosen.

Vor ca. 200 Jahren, nämlich anno 1796 «erfand» der Genfer Uhrmacher Antoine Favre die erste Musikdose. Bis dahin hatten die mechanischen Musikinstrumente stets «Vorläufer», sei es die Orgel, das Glockenspiel usw. Favre konstruierte ein Instrument, das nur mechanisch gespielt werden kann, indem er durch eine Stiftwalze Stahlzungen verschiedener Länge in Schwingung brachte Sind diese gestimmt und die Stifte am richtigen Ort eingesetzt, ertönt eine Melodie. In den ersten Jahren fanden diese «Mechanismen» vor allem in Schmuckstücken, kleineren Uhren, Stockknäufen, Schnupftabakdosen usw. Verwendung. So nach und nach entwickelte sich die eigentliche Musikdose mit Zylinder und Kamm. Letztere bestand am Anfang aus einzeln aufgeschraubten Zungen, dann wurden bis vier Stück zusammengefasst und befestigt. Schon bald konnte man Kämme mit mehr als 100 Zungen herstellen. Entsprechend vergrösserten sich die Zylinder, die bis 20 Musikstücke enthalten konnten. Für ein grösseres Repertoire erfand man auswechselbare Zylinder und sogar Revolvermechanismen mit bis zu 6 Zylindern.

In der Anfangszeit wurden Musikdosen ausschliesslich in Genf hergestellt. Bald wurden sie aber auch im Joux-Tal und ab 1811 in Ste.Croix und Umgebung gefertigt. Ähnlich der Uhrenherstellung waren es in der Frühzeit Bauernhandwerker, die mit einfachsten Hilfsmitteln arbeiteten. Dann entwickelte sich eine richtige Industrie daraus. Während in Genf nach 1850 ein starker Rückgang der Fertigung eintrat, blühte im Jura diese eher noch auf. Kurz vor der Jahrhundertwende war es allerdings ziemlich vorbei damit: der Phonograph wurde eingeführt und die Nachfrage sank rapid: Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass auch in Frankreich, Wien und Prag namhafte Hersteller zu finden waren. Zurzeit werden nur noch in Ste.Croix ( Reuge) und in Yverdon (und in Japan) Musikdosen produziert.

Die ungeheure Verbreitung verdankt die Musikdose ihrer Vielseitigkeit. Ich könnte eine sehr lange und vermutlich erst noch unvollständige Liste anfügen, wo sie überall Verwendung fand. Als eigentliche Musikinstrumente wurden sie in der ersten Zeit In einfache, schmucklose Holzkasten, meist aus Fruchtholz, eingebaut. Nach und nach kamen einfache bis sehr aufwendige Intarsien und furnierte Gehäuse zur Anwendung, je nach Zeit- und Käufer-Geschmack. In der letzten Periode sollten oft angemalte und mit Abziehbildern versehene Kästen eine bessere Qualität vortäuschen.


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© Peter Hunziker, Bänkelsänger und Liedermacher, CH-3400 Burgdorf

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